Klosterkirche
Eine der ältesten gotischen Kirchen der Schweiz
Die Klosterkirche Kappel wurde um 1300 fertiggestellt und gehört zu den ältesten gotischen Kirchen der Schweiz. Als dreischiffige Basilika im frühgotischen Stil erhebt sie sich über der ehemaligen Klosteranlage, mit einem Grundriss in Form eines lateinischen Kreuzes, der aus Altarhaus, Querhaus und sechsjochigem Langhaus besteht. Die West-Ost-Ausrichtung weist symbolisch auf die Wiederankunft Christi hin.
Der heutige viereckige Turm wurde 1641 errichtet, nachdem sein achteckiger Vorgänger durch Blitzschlag zerstört worden war. Die Kirche verbindet zisterziensische Schlichtheit mit bedeutenden kunsthistorischen Schätzen aus dem Mittelalter.
Chorgestühl aus dem 14. Jahrhundert
Das eichene Chorgestühl stammt aus der Zeit um 1300 und zählt zu den ältesten und bedeutendsten seiner Art in der Schweiz. Zwei Stuhlreihen mit je 17 Sitzen haben sich bis heute erhalten. Eine einzigartige Konstruktion mit zwei Durchgängen, die in dieser Form selten zu finden ist.
Die Schnitzereien zeigen Tier- und Menschenköpfe, die den Besucherinnen und Besuchern entgegenblicken. Besonders beeindruckend sind die vier Trägerfiguren an den beiden hölzernen Arkaden mit Wimperg und Kleeblattbögen, die das Chorgestühl östlich abschliessen.
Gotische Glasfenster aus dem 14. Jahrhundert
Fünf gotische Fenster aus dem ersten Drittel des 14. Jahrhunderts haben sich in der Klosterkirche erhalten. Sie waren Teil einer umfangreicheren Verglasung, von der viele Fenster bei der Kappeler Schlacht 1531 und beim späteren Umbau zum Armenhaus zerstört wurden.
Die erhaltenen Glasfenster bilden nach dem Fensterzyklus im Kloster Königsfelden den bedeutendsten erhaltenen Glasgemäldezyklus der Schweiz aus dieser Zeit.
Zeugen der Reformation
Die Reformation hinterliess ihre Spuren in der Klosterkirche: Am 9. März 1525 wurden die Bilder aus der Kirche entfernt, am 29. März 1526 feierten die Mönche erstmals das Abendmahl nach reformierter Ordnung. Seither dient die Kirche als Pfarrkirche der Kirchgemeinde Kappel.
Taufstein (1528) und Kanzelsockel (1527) erinnern an diese Umbruchszeit. Der steinerne Pontifikalsitz im Chor markiert den einstigen Ort der katholischen Messe.
Atmosphäre der Schlichtheit
Wer die Klosterkirche heute betritt, erlebt eine schlichte Atmosphäre, eine Rückkehr zur zisterziensischen Vorliebe für Reduktion und Klarheit. Die gotische Architektur mit ihren hohen Gewölben und die wenigen, aber kostbaren Kunstschätze schaffen einen Raum, der zur Besinnung einlädt.
Die Klosterkirche Kappel ist täglich geöffnet und kann im Rahmen von Führungen oder individuell besichtigt werden.